Altkanzler Konrad Adenauer (ganz links) sitzt im Februar 1967 bei der Tagung der Deutschland-Stiftung in der Großen Aula der LMU neben dem Osteuropahistoriker Georg Stadtmüller (zweiter von links).
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Die Münchner Osteuropaforschung in Kriegs- und Nachkriegszeit
München und Regensburg zählen zu den führenden Standorten der deutschen Osteuropaforschung. Sie beschäftigt sich mit Geschichte, Politik und den Sprachen der Gesellschaften Osteuropas und ihrer Verflechtungen mit den Deutschen. Ihre Wurzeln reichen in die Weimarer Zeit zurück. Nach 1945 wurde München zu einem Zentrum von Vertriebenenorganisationen und des osteuropäischen Exils. Mehrere außeruniversitäre Forschungsinstitute wie das Südost-Institut und das Osteuropa-Institut konnten sich hier etablieren. Hinzu kamen zahlreiche regionalwissenschaftliche Lehrstühle an der Ludwig-Maximilians-Universität.
Die Münchner Osteuropaforschung der Nachkriegszeit zeigt klare personelle und institutionelle Kontinuitäten zum Nationalsozialismus. Wissenschaftler waren vor 1945 zu Handlangern des NS-Regimes geworden, verbreiteten Propaganda und beteiligten sich an der Besatzung Osteuropas. Die meisten konnten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Arbeit nach kurzer Unterbrechung fortsetzen. Aufgrund ihrer Expertise waren sie für die bundesdeutsche Politik im aufziehenden Kalten Krieg unverzichtbar.
Die Ausstellung des Masterstudiengangs Osteuropastudien an der LMU München und Universität Regensburg beleuchtet die Rolle der Münchner Osteuropaforscher in der NS-Zeit – darunter bei der rassepolitischen und wirtschaftlichen Neuordnung, beim Kunstraub und der Leitung von NS-Organisationen. Sie zeigt eine Regionalwissenschaft, die sich vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichen Interesse und politischem Nutzen bewegte.